Magnus Carlsen gewinnt das Kandidatenturnier dank besserer Feinwertung vor Wladimir Kramnik.

Geschrieben von Bob Chessman Mittwoch, den 03. April 2013 um 04:29 Uhr
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Nach einer dramatischen Schlussrunde ist das Kandidatenturnier in London wie erwartet ausgegangen. Der Turnierfavorit Magnus Carlsen hat sich im Ringen über 14 Runden durchgesetzt, er wird im Herbst dem Titelhalter Viswanathan Anand im nächsten Zweikampf um die Schach-WM gegenübersitzen. Um ein Haar wäre es aber ganz anders gekommen.

Aufholjagd von Kramnik

Über weite Strecken wurde der junge Norweger der Favoritenrolle gerecht. Lewon Aronjan, der am längsten hatte mithalten können, brach ab Runde neun ein und verlor innert Kürze dreimal. Gleichzeitig erwachte jedoch Wladimir Kramnik, der vor 13 Jahren bereits Weltmeister geworden war. Waren dem Russen in der ersten Turnierhälfte mehrere Positionen aus der Hand geglitten, gewann er nun Partie um Partie. Einige Gegner griffen im Endspiel fehl, aber der Schwarzsieg gegen Aronjan zeigte ihn auch auf taktischer Höhe.

Als Carlsen dann in Runde 12 überraschend mit den weissen Steinen gegen den erratischen Ukrainer Wassili Iwantschuk einknickte, lag Kramnik allein und nicht unverdient an der Spitze. Doch nur kurz, denn postwendend holte Carlsen gegen den indisponierten Teimur Radjabow in einem langen Endspiel den Rückstand wieder auf, so dass die beiden Favoriten vor der letzten Runde punktgleich in Führung lagen.

Auf dem Blatt hatte Carlsen noch immer die besseren Aussichten, hatte er doch in seiner Begegnung mit Peter Swidler den Anzugsvorteil und, noch wichtiger, im Falle eines abschliessenden Gleichstands das bessere Tie-Break-Score. Kramnik hatte mit den schwarzen Steinen gegen Iwantschuk das schwierigere Los, dafür war klar, dass er auf Sieg spielen musste. Und weil bei Iwantschuk bekanntlich von grauenhaft schlecht bis absolut genial alles möglich ist, musste auch Carlsen seine Partie so anlegen, um bei Bedarf auf Gewinn zu spielen. Nach 13 anstrengenden Runden und der ärgerlichen Niederlage gegen Iwantschuk keine leichte Aufgabe für den 22-jährigen Weltranglistenersten.

Beide Leader zeigen Nerven

Am Ende hatte er die Nerven nicht. Carlsen erlangte das bessere Spiel, aber gegen einen erfindungsreichen Swidler verbrauchte der Norweger zu viel Zeit. Mit nur knapp zwanzig Sekunden für die letzten zehn Züge vor der Zeitkontrolle verlor er den Faden und musste sich nach 48 Zügen geschlagen geben. Damit wäre die Bahn für Kramnik frei gewesen, doch dieser hatte natürlich nicht wissen können, dass ein Remis reichen würde. Er war zu grosse Risiken eingegangen und traf zu seinem Pech auf einen Iwantschuk in Bestform, der die aggressive Partieanlage des Russen eindrücklich zerschmetterte. So kam es, dass beide Leader im entscheidenden Moment strauchelten. Doch während für Kramnik der Traum vom neuerlichen WM-Kampf vorbei ist, kam Carlsen mit dem Schrecken davon.

 

 

Zuletzt geändert am: Mittwoch, den 03. April 2013 um 04:37 Uhr
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