Geschichte der Schachgesellschaft Riehen (1928-2008)
Vor rund 80 Jahren, am 23. Februar 1928 gründeten zehn Riehener Schachfreunde in der Rössli-Kaffeehalle die Schachgesellschaft Riehen. Die Initiative ging damals von Willy Fackler aus, an den sich viele Mitglieder noch erinnern können.
Der Name des Lokals - ‚Rössli‘ - ist passend für die Gründung eines Schachvereins, erinnert er doch an die Schachfigur, die offiziell und etwas vornehmer Springer genannt wird. Die Rössli-Kaffeehalle war 1889/1890 von Theodor Sarasin-Bischoff in gemeinnütziger Absicht als sogenannte Temperenzhalle gebaut worden. Das heisst in ihr wurden nur alkoholfreie Getränke wie Kaffee, Milch, Tee und Schokolade ausgeschenkt. Mit dem Lokal war auch eine Bibliothek verbunden, die den Besuchern der Halle offen stand.
Bald musste allerdings das Spiellokal gewechselt werden, ein Vorgang, der sich im Leben unseres Vereins öfters wiederholte. Wenn wir die Namen der verschiedenen Vereinslokale auflisten, gewinnen wir eine fast umfassende Riehener Wirtschaftskunde: Die SG Riehen spielte in folgenden Gasthäusern: Rössli-Kaffeehalle, Feldschlösschen, Schlipferhalle, Lokal Winter, Sängerstübli, Lindenhof, Landgasthof und Niederholz.
Erst der Umzug in das Haus der Vereine setzte der stetigen Wanderschaft eine Ende. Mit dem Haus der Vereine schließt sich der Kreis, denn auch in unserem aktuellen Spiellokal werden keine alkoholischen Getränke angeboten.
Kehren wir in die dreissiger Jahre zurück. Die ersten zehn Jahre der SG Riehen verliefen gemäss den damaligen schriftlichen Quellen sehr wechselhaft. 1930 konnte der Kassier den ansehnlichen Stand der Vereinskasse von Franken 27.55 vermelden. Im Jahresbericht 1938 lesen wir folgendes: „Mit dem laufenden Jahre konnte unsere Gesellschaft auf ihr 10-jähriges Bestehen zurückblicken.
Nachdem sich der Verein bei seiner Gründung gut entwickelte, schien er nach 2 Jahren bereits einem langsamen, aber sicheren Tod entgegenzugehen. Bald kam es so weit, dass nur noch drei bis vier Spieler privat zusammenkamen, um dem Spiel zu huldigen. Doch es schien, dass der dem Tode Geweihte nur in einen längeren Winterschlaf verfallen war. Der Kern, der übrig geblieben, entfaltete plötzlich wieder rege Tätigkeit, und in kurzer Zeit schlug der Baum nach allen Richtungen kräftige Schosse hervor, so dass unser 10-jähriges Bestehen mit 60 Mitgliedern gefeiert werden konnte.“
Wie bei vielen anderen Vereinen gab es während des Zweiten Weltkrieges Probleme. Wegen des Aktivdienstes litt der Spielbetrieb, er konnte aber immer aufrecht erhalten werden. 1947 trat die SG Riehen dem Schweizerischen Schachverein, dem Dachverband der Schweizer SchachspielerInnen, bei.
Am 21. März 1953 wurde unter der Aegide des damaligen Präsidenten und Gründungs- mitglieds Willy Fackler feierlich das 25-jährige Bestehen unseres Vereins gefeiert. Es folgte im gleichen Jahr ein Jubiläumsturnier mit 80 Teilnehmern (28. Juni) und ein Simultan von Petar Trifunovic (14. Oktober).
In den sechziger Jahren kam es zu einem grossen Aufschwung, der sich in einer regen Wettkampftätigkeit äußerte. 1960 fand ein Simultan mit dem Grossmeister Erich Eliskases statt. 1963 wurde zum 35-jährigen Geburtstag ein Internationales Stundenturnier mit fast 250 Teilnehmern organisiert. Im November 1968 - zum 40. Geburtstag der SG Riehen – hielt der dänische Grossmeister Bent Larsen einen Vortrag und gab anschließend ein Simultan. Bent Larsen war damals zusammen mit Bobby Fischer der stärkste Spieler der westlichen Welt. 1970 führte die SG Riehen die Schweizer Einzelmeisterschaften durch.
Die Basis zum weiteren stetigen Aufstieg legte die SG Riehen 1965 und in einem zweiten Anlauf im Januar 1969 mit der Gründung einer eigenen Jugendschachgruppe. Schon zwei Jahre später (1971) fand in Riehen die Schweizer Juniorenmeisterschaft statt. Seit über 30 Jahren fördert die SG Riehen nun konsequent den Schachnachwuchs. Aus der eigenen Jugendgruppe gingen immer wieder starke Spieler hervor. Der bekannteste Spieler davon ist zweifellos FIDE-Meister Matthias Rüfenacht, der sich an wichtigen Turnieren und Wettkämpfen hervorragend schlug. Im Fernschach erzielte er sogar den Titel eines Großmeisters des Weltschachbundes.
In den Mannschaftswettbewerben schnupperte Riehen bald Höhenluft. 1980 konnte die SG Riehen im Rahmen der Schweizerischen Mannschaftsmeisterschaft zum ersten Mal in der NLA teilnehmen, 1982 gewann sie den Teamcup. Nach längerem Verbleib in der NLB stieg die SG Riehen 1992 erneut in die NLA auf. Später pendelte sie zunächst zwischen den beiden obersten Ligen hin und her, doch schon seit einigen Jahren spielt sie ununterbrochen in der NLA.
Unser Verein umfasst heute gegen 70 Aktive und rund 30 Jugendliche. Die stetige Förderung der JuniorInnen ist eines der Hauptziele der SG Riehen. Sie auch ist sowohl innerhalb der Schweizer Schachbewegung, als auch im Riehener Dorfleben sehr aktiv. Peter Erismann (Verantwortlicher für das Spitzenschach) und der jetzige Präsident Ruedi Staechelin waren jahrelang in wichtigen Chargen des Schweizerischen Schachbundes tätig.
Anlässlich des 75. Geburtstags der SG Riehen weilte der frühere Weltmeister Anatoli Karpow am 21. August 2003 zu einem Simultan in Riehen. 2003, 2008 und 2010 fand der traditionelle Nordwestschweizer Schachtag im Saal des Landgasthofes Riehen statt.
Text Robert Stritmatter




